Ich mach mal eine kleine Exkursion zum Thema Namesfindung. Und zwar pseudowissenschaftlich angehaucht. Bergnamen, Flussnamen auch Stadt- und Dorfnamen sind Namen, die sich im Lauf von Jahrhunderten
abschleifen.
Ein paar Beispiele, was ich meine: "Wendelberg" zum Beispiel ist ein tolles Wort, das könnte es so tatsächlich geben und würde sicherlich auch sehr lange (über einige Jahrhunderte) so bestehen, weil das Wort "Wendel" ist uralt und ändert sich nicht einfach so. Das Wort und die Bedeutung bilden hier eine perfekte einheit. Ich nehme den Wendelberg nur mal um zu verdeutlichen was ich meine. Knuffingen ist zum Beispiel auch so ein tolles Wort, ja sogar noch viel besser, weil dieses Wort ist so lautmalerisch, dass es wohl sogar Ausländer verstehen können.
"Piz Gips" aber zum Beispiel nicht, weil durch das aneinanderhacken von "fernen Mitlauten", würde sich das Wort eindeutig abreiben. Was sind ferne Mitlaute? Also in dem Fall das Z (das ganz vorn an den Zähnen gesprochen wird) auf das G (das hinten in der Kehle ensteht). Solche Klangkombinationen reiben sich ab, wie bei Zungenbrechern, bestes Beispiel ist "Fischers Fritz fischt frische Fische". Das würde im Lauf der Jahrhunderte ganz sicher zu etwas anderem, zum Beispiel "Piz Fitz".
"Stahlspitze" ist ein gutes Wort, allerdings würde sich wohl - schweitzertypisch - das "e" am Ende abreiben und es würde "Stahlspitz" draus.
Nebenbei bemerkt würde ich aber sagen, dass der dazu passende Berg eben ziemlich spitz sein muss, und dass ist der große Gerüstberg, wenn ich die Baupläne mir so vor Augen halte, wohl eher nicht.
"Großer Gerfred" klingt auch gut, fällt aber weg, weil das Wort ist unlogisch. Weil dann muss es ja noch einen "Kleinen Gerfred" geben, und da wären wir wir bei einem logischen Dilemma, weil wie soll das bei Zwillingsbrüdern möglich sein? Wenn, dann "Gerfred", ohne "Großer". Ich finde dabei höchstens noch Schade, dass bei dem Wort durch das zusammenstückeln der Silben keine tiefere Bedeutung mehr verborgen ist.
"Bietstahlhorn" ist ein relativ guter Name. Allerdings wäre "Stahlhorn" finde ich besser, weil Bietstahlhorn ist ziemlich lang und das T vor dem S ist ein typischer Wortreibepunkt, der im lauf der Jahrhunderte zum Beispiel zu "Bischtalhorn" oder "Bieschtalhorn" würde (oder andere Kombinationen).
"Piz Stahlen". Hm. Hier bin ich hin- und hergerissen. Im schweizerischen Dialekt würde da gesprochen "Piz Schdaalen", wobei das "e" halbverschluckt ist. Das Wort wäre ok. Aber es läuft Gefahr, dass das "en" sich abschleifen könnte und am Ende wären wir bei "Piz Stahl". Und das klingt einfach (auch objektiv gesehen) im schweizerischen Dialekt saudoof, sorry.
"Grüsten". Ich hab mir bei dem Namen ja was gedacht, vielleicht mehr, als man auf dem ersten Blick sieht. Ich will mich ja nicht zu sehr loben, aber das Wort hat es wirklich in sich, ich komme auf drei offensichliche und noch einige weniger offensichtliche Zusammenhänge. Eigentlich ein gutes Wort, aber ich kann mir vorstellen, dass Nordlichter das Wort nicht so sehr mögen.
"Toblerhorn". Guter Name, lässt sich wenig dran aussetzen, ich finde nur die darin enthaltene Schleichwerbung schlecht.
"Toblihorn". Neeee.

Das "i" ist einfach nicht wirklich schweizerisch. Berge sind Majestätisch und für den Nachbau des Matterhorns ein Toblihorn zu nehmen, das wäre eine verniedlichung die ein 4-5 Meter hoher Berg nicht verdient.
"Marterhorn". Das "r" spricht sich schon im normalfall schwer. Und im schweizerischen würde es sich automatisch wieder zu "t" abschleifen, der Dialekt ist einfach so. Außerdem hat es "martern" als Wortstamm und das finde ich ziemlich bös. Daher schlechter Name.
Ein guter Name für das Matterhorn wäre aber zum Beispiel
"Hammerhorn". Das ist eine raffinierte Mischung aus Wortspiel (wer erkennt, welche Deutsche Großstadt hab ich da reingemischt?), Mitlautvertauschung (M und T vertauscht, T wird zu H, weil beides Zischlaute) und Bedeutung (Hammer, soll ich das jetzt erklären?). Die Besucher werden davorstehen und sagen "Mann, das ist voll der Hammer" und wir werden daneben stehen und sagen können "Stimmt!".
"Gips" als Name oder Teil für einen Berg ist meiner Meinung nach generell schlecht. Ich verweise wieder auf oben: Berge sollten was monumentales haben und in "Gips" ist das einfach von der Lautfolge her nicht drin.
Also meine Namensliste für die Berge:
1: Bischtalhorn
2: Stahlspitz
3: Grüsten
4: ?
5: Hammerhorn
Machen wir mal mit den Städten/Dörfern weiter.
"Churbriggen". Sehr guter Name. Nix dran auszusetzen. Hat alles was ein Name braucht (Mehrdeutigkeit, Geschichte usw.)
"Bad Zervos". Nicht wirklich gut. Das O schleift sich zu sehr in verschiedene Dialekte ab und "Bad" und "Zervos" klingen einfach scheußlich zusammen (weiches Wort auf hartes Wort).
"Churlanden", "Chürblis": Da fehlt die Geschichte.
"Lötschingen"/ "Löschingen": Wäre ok, aber Churbriggen ist da eindeutig besser.
"Obbriggen", "Luagritten": Sehr gut. Ich würde beide verwenden für zwei zusammengewachsene Dörfer.
"Gips Gaanich", "Gips Anders": Gutes Wortspiel, aber leider ist da einfach nicht mehr dahinter, Niveau zu niedrig, daher lieber weglassen.
"Glätschalp": Was nun "Glätschalp" oder "Gletschalp". Ist ein Unterschied und um genau zu sein fände ich "Gletschalp" besser, weil da der Wortstamm drin bleibt. Insgesamt finde ich den Namen aber ziemlich gewöhnlich. Aber warum nicht mal was ganz gewöhnliches?
"St. Zervos". Das "Sankt" passt gut zu "Zervos".
"St. Max": Das haben ja schon alle bemerkt, dass das ein ziemlich gutes Wortspiel ist. Ich würde versuchen "Moritz" noch mit reinzubringen. Beispielsweise könnte St. Max ja noch einen Vorort namens Moritz haben. Der Bahnhof wäre dann "St. Max (Moritz)"
Meine Hitliste also:
1: Churbriggen
2: Obbriggen/Luagritten (zwei zusammengewachsene Dörfer)
3: ?
4: Glätschalp
5: St. Max
...
So, jetzt noch Vorschläge, weil es fehlen ja noch etliche Namen!
Die Besiedelung erfolgte ja früher immer von unten nach oben. Also
- zuerst waren da die Flussnamen
- dann die Bergnamen
- dann erst die Städte/Dörfernamen
In Folge dessen ist es logisch, wenn wir genauso vorgehen, also zuerst die Flüsse benennen und dann die Berge und dann die Städte/Dörfer. Denn wenn wir die Flußnamen haben, ergibt sich der Rest vielleicht von selbst!
1: Reuss und Rhône passen nicht. Reuss ist ein Name für einen kleinen Fluss und Rhône ist zu französisch und da sind wir noch nicht. Hm. Ich greife hier ein wenig vor (zu den Bergen) und denke, dass "Staale" vielleicht ein ganz witziger Name für einen Fluß ist. Dazu passen dann die Berge, aus denen er entspringt.
2: "Bischt". Die Bischt fließt im Bischtal (oder Bischttal) und drum heißt der Berg Bischtalhorn. Logisch oder?
3: "Gletschbach". Sehr gewöhnlich, aber siehe oben.
4: Oha, da ist glaub ich Österreich. Muss man aufpassen, da ist ein etwas anderer Wortstamm. Mein Namensvorschlag wäre "Mindl". Das deudet auch auf etwas lebhaftes, sich drehendes hin (Spindel) und passt zum Wasserfall.
5 und 6: Fällt mir nix mehr dazu ein. Ich hab einfach zu lange vor Google-Earth gehockt. Das Macht echt süchtig.

Zum Glück hab ich Urlaub.