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von Gast » Donnerstag 29. Mai 2003, 20:32
Freunde, ich muß mich überwinden, zu diesem Thread etwas zu schreiben - einerseits weil ich es für überflüssig halte, die Vorzüge amerikanischer Anlagenbauer und -betreiber herauszustellen, andererseits weil ich mich über Cincinnatis Post so geärgert habe, daß ich mich hier eigentlich total verabschieden wollte.
Aber - dem allem zum Trotz: Die Modellbahnphilosophie in den USA ist eine ganz andere als hier. Die gepflegten Tugenden sind:
- Vorbildgetreuer Betrieb BETRIEB BETRIEB
- Anlagen mit Konzept (wozu ist diese Bahn denn da?)
- Kitbashing und Scratchbuilding (Um - und Selbstbau)
- Verfeinern von Serienmodellen
- Offenheit nach aussen, jeden November ist National Model Railroad
Month, wo Modellbahner ihre Anlagen Gästen an bestimmten Abenden
vorführen. Sowas gibt es hier nicht, alle vergraben sich im Keller - wo
hoffentlich niemand sieht daß man Eisenbahn spielt...
Was es in den USA nicht gibt:
- Großserienproduktion von Plastikmodellen (mit wenigen Ausnahmen
haben die dortigen Hersteller keine hundertjährige Firmentradition...)
Das heißt: Automodelle und Gebäudebausätze kommen zu 90% aus
Deutschland oder von Heljan, Cornerstone von Walthers kommt fast
vollständig von Heljan und zu kleinen Teilen von KIBRI.
- Vor 30 Jahren gab es unter dem Kürzel AHM Modelle von Roco, Liliput,
Rivarossi, etc., unter Model Power Produkte von Roco, FAller, Pola,...
also in punkto Modellbahn ein klassisches Importland. Später kam
auch KATO dazu, bzw. Stewart und Atlas ließen dort fertigen.
Das Händlernetz ist sehr sehr dünn, nur im Umfeld großer Städte gibt es namhafte Modellbahngeschäfte, viel wird über den Versand abgewickelt.
@ Cincinnati: Nur wenig nördlich von Cincy, in West Carollton existierte fast 40 Jahre Allen Mc Clellands "Virginian & Ohio", eine Konzeptanlage
der Sonderklasse. Hast Du je davon gehört ?
Eines muß ich allerdings zugeben: Mir fiel oft auf, daß unsere Kollegen jenseits des Teiches die Autos immer unbehandelt auf die Anlage neben einen handgealterten Holzbausatz gestellt haben. Soweit ging die Liebe zum Detail meist nicht, erklären konnte es keiner. Zu dumm, wenn es sich auch noch um ein Hot-Wheels-Auto gehandelt hat. Aber: Wo sollen die schönen Wikingautos denn herkommen, ohne Läden ?? Bei K-Mart gibts Hot Wheels zu 99 Cents...
Kropf geleert, Ärger weg, Verwunderung hält sich jedoch hartnäckig...
MS