Nahverkehr Hamburgs Hochbahnchef äussert sich zu den Plänen von CDU und GAL
"So wird die Stadtbahn ein Erfolg"
Man könne so alle Großwohnsiedlungen der Stadt an das U-Bahnnetz anschließen, so Günter Elste. Bis zu 80 Kilometer langes Netz.
Von Axel Tiedemann
Eine U-Bahn rollt aus dem Tunnel. Auf deren Dach klappt ein Stromabnehmer gegen eine Oberleitung, dann fährt die Bahn auf Schienen in der Straße weiter - so sieht nach Vorstellung von Hamburgs Hochbahnchef Günter Elste die ideale Kombination aus U- und Straßenbahn aus. "Technisch ist das kein Problem - man könnte so alle Großwohnsiedlungen der Stadt an das U-Bahnnetz anschließen, auch Wilhelmsburg und die Volkspark-Arenen ließen sich umsteigefrei anbinden. So wird die Stadtbahn ein Erfolg", sagte Elste, der sich in einem Gespräch mit dem Abendblatt jetzt zu den Stadtbahn-Überlegungen von CDU und GAL äußerte. Das rund 100 Kilometer lange Hochbahnnetz würde sich bei einer Umsetzung einer solchen Kombination immerhin um rund 80 Kilometer vergrößern, wenn auch Wohnviertel wie etwa Jenfeld, Großlohe, Steilshoop Lurup, Osdorfer Born oder der Hamburger Süden mit einer Art oberirdischer U-Bahn erreicht werden können.
Wie berichtet, ist nach 30 Jahren die Wiedergeburt der alten Hamburger Straßenbahn derzeit ein Verhandlungspunkt bei den Koalitionsgesprächen zwischen CDU und GAL. Nur heißt das Vorhaben nicht mehr Straßenbahn, sondern Stadtbahn. Hochbahnchef Elste warnt jedoch vor einem "isolierten System". Also einem dritten Schienennahverkehrssystem neben U-Bahn und S-Bahn. Kostengünstiger, schneller und kundenfreundlicher, weil umsteigefrei, sei eben die Kombination zwischen vorhandener U-Bahn und neuer Stadtbahn. Elste: "Die bekommen Sie deutlich günstiger als ein reines Stadtbahnnetz, weil außerhalb der Innenstadt nur ein oberirdisches Ergänzungsnetz gebraucht wird." Die Kosten dafür lägen bei etwa 15 bis 25 Prozent der Investitionen für eine unterirdische Lösung. Zum Vergleich: Die neue U 4 zur HafenCity kostet pro Kilometer etwa 75 Millionen Euro.

Damit stellt sich der Hochbahnchef indirekt gegen einen GAL-Vorschlag, der eine reine Stadtbahn von Steilshoop bis zum ZOB vorsieht. Für diese Strecke war unter dem rot-grünen Senat vor dem Regierungswechsel 2001 bereits ein Planfeststellungsverfahren begonnen worden. Das Verfahren liegt aber auf Eis, weil die CDU-geführten Senate Stadtbahnpläne nicht weiter verfolgt hatten. Eine kombinierte U- und Stadtbahn würde jedoch nicht am ZOB beginnen, sondern sie würde beispielsweise beim U-Bahnhof Dehnhaide aus dem U-Bahnnetz ausfädeln und auf in der Straße verlegten Schienen weiter bis Steilshoop rollen.
Die Technik für eine solche Kombination sei bereits vorhanden, so Elste. Die Bahnen würden mit Stromabnehmern an der Seite und auf dem Dach ausgerüstet. Elste: "Das gibt es beides als Modul und lässt sich wie ein Nebelscheinwerfer beim Auto als Zusatzausstattung bestellen."
Auch der Niveau-Unterschied der Türen zwischen Stadtbahnen und U-Bahnen stelle kein großes Problem dar. An den oberirdischen Bahnsteigen müssten die Fahrbahnen lediglich um knapp einen Meter abgesenkt werden. Elste: "Das wird in anderen Städten längst gemacht."
Diese Kombilösung einer "U-Stadtbahn" ist aus Sicht des Hochbahnchefs nicht nur günstiger, sie ließe sich auch schneller realisieren. Planverfahren für neue Schienen seien außerhalb der inneren Stadt sicher leicht umzusetzen, weil die Bewohner dort Vorteile von dem neuen Angebot hätten.
In bereits vom Schienennahverkehr erschlossenen Gebieten sei hingegen eher Protest gegen Lärm zu erwarten. Auch die Betriebslenkung der Bahnen oder die Wartung der Fahrzeuge sei bei einer Kombilösung deutlich günstiger, weil sie in einer Hand lägen. Hinzu käme das Tempo einer U-Stadtbahn: Spätestens in der Innenstadt müsse sich eine Stadtbahn den engen Raum mit dem übrigen Verkehr teilen - eine U-Stadtbahn rollt dann unterirdisch flott weiter. Die Hochbahn-Busse erreichen in der Stadt derzeit eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 19 km/h - die U-Bahnen sind doppelt so schnell.
Und das sind die Leserbriefe auf diesen og. Artikel in der heutigen Ausgabe:
Vernünftige Lösung
Jetzt hat sich um das aufgeregte Hin und Her zur sogenannten Stadtbahn endlich einmal ein Fachmann zu Wort gemeldet und vernünftige und vor allen Dingen mach - und finanzierbare Modelle vorgeschlagen, damit die bisher vom öffentlichen Nahverkehr stiefmütterlich behandelten Stadtteile wie zum Beispiel Jenfeld und Steilshoop eine Bahnverbindung erhalten können. Dieser Vorschlag entspricht im Kern ungefähr der jetzt praktizierten Verfahrensweise bei der Hamburger S-Bahn die innerhalb Hamburgs ihren Strom aus Stromschienen am Erdboden bezieht und Richtung Niedersachsen auf Strombezug per Oberleitung umschaltet. Es macht sehr viel Sinn, kein ganz neues System wie eine unabhängige Straßenbahn = Stadtbahn einzuführen sondern das jetzige U-Bahn-System zu erweitern. Im Interesse Hamburgs und der öffentlichen Finanzen kann man nur hoffen, sich die Politiker auf diese vernünftige und kostensparende Version einigen.
Helmut Jung, 22391 Hamburg
Mir fehlt der Glaube
Tolle Ideen, die Herr Elste da verbreitet. Jedoch fehlt mir persönlich der Glaube daran, dass wirklich eine Stadtbahn kommt. Sollte sie jedoch kommen fehlt mir persönlich noch eine Nordtangente, die beispielsweise die Endstation der U2 (Niendorf Nord oder auch Niendorf-Markt) mit Langenhorn Markt (U1) und dann weiter bis nach Volksforf (ebenfalls U1) fahren würde. Dann bräuchte man nicht so eine Ewigkeit um dahin zu gelangen, bzw. dauernd in irgendwelche Buslinien umzusteigen. Diese Nordtangente könnte dann auch in westlicher Richtung an die Anschlußstelle Arena (Volkspark) angebunden werden. Dann hätte man so etwas ähnliches, wie einen echten verbindenden Ringverkehr. Ein weiterer Aspekt ist ja auch die Finanzierung der ganzen Strecken, denn wie es Studien beweisen, kostet ein Kilometer U-Bahn so viel wie ca. 50 Km Stadtbahn. Ein meiner Meinung nach nicht zu vernachlässigender Faktor.
Jörg Thyroff, Norderstedt
Sorgfältig rechnen
Wenn Hamburg denn unbedingt eine Stadtbahn braucht, dann sollte es eine finanziell sinnvolle Lösung sein. Die Koppelung an ein vorhandenes System wie die U-Bahn erscheint unter diesem Aspekt sehr geeignet. Und, liebe Politiker und Planer: seid ehrlich zu uns Bürgern, rechnet sorgfältig und klärt die Risiken vorher - nicht wie gerade bei der Elbphilharmonie. Dann bekommen wir auch wieder Vertrauen zu euch!
Steffen Mühlke, Hamburg
Geringerer Verbrauch
der Energieverbrauch von Straßenbahnen ist um 75% geringer als der von Omnibussen, entsprechend vermindern sich die Umweltbelastungen (Feinstaub!). In vielen Städten handelt man danach, so wird z. B. das Straßenbahnnetz in Paris und London mit großem Erfolg betrieben und erweitert. In Hamburg sollte unbedingt die Hafencity durch eine Straßen-(Stadt-)bahn erschlossen werden, denn die geplante U-Bahnstrecke liegt so tief, daß in der Nähe der Elbphilharmonie überhaupt keine Haltestellen möglich sind. Mit freundlichen Grüßen Hermann Hoyer, Hamburg
Sprache verschlagen
Günter Elste von der Hochbahn AG hat recht: Nur eine möglichst kurze Strecke mit einer Stadtbahn ohne Umsteigen direkt ab einer nahe gelegenen U-Bahn-Station führt zum Umsteigen vom Auto auf die Bahn, wie z. B. ab Dehnhaide nach Steilshoop. Was sollte denn wohl eine Stadt- (sprich: Straßen-) Bahn, die vom Hauptbahnhof über Winterhude und den Stadtpark über die verkehrsreichen Straßen schleicht, an Zeitersparnis und Bequemlichkeit bringen??? Dass sich die GAL, die ja viele studierte (=kluge?) Parteimitglieder hat, vor etlichen Jahren schon so einen Quatsch ausgedacht hat, verschlug mir glatt die Sprache, als ich es vor einigen Wochen in ihrer Zeitung las! Dann kann ich auchnach 30 Jahren noch 2 oder 3 Jahre länger auf eine Schnellbahn nach Steilshoop oder vielleicht ja sogar Bramfeld warten.
Gerda Horn, Hamburg